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"Ein
kleines Körnchen reicht..." Rostock – Es ist ein
unscheinbares weißes Körnchen. Aber ohne dieses Körnchen gäbe es kein
Leben auf der Erde: das Salz. Nun soll es sogar die Zukunft des Erzbistums
beleben und würzen... "Das Salz des Nordens" heißt das Motto
des bistumsweiten Pastoralgespräches, zu dem Gemeinden jetzt aufrufen.
Salzstreuer, das sollen dabei die Gemeindemitglieder selbst sein. Sie
sollen Fragen von Glaube und Kirche diskutieren und somit Anregungen zu
Verbesserungen geben. Erzbischof Werner Thissen möchte mit dieser
Initiative die Freude am Glauben und den Zusammenhalt "in schwerer
werdenden Zeiten stärken" sowie "die Weichen für die Zukunft
gemeinsam stellen". Soweit die Theorie! Wie sieht das in der Praxis
aus? Kürzlich hatte die
Christusgemeinde Rostock zum Pastoralgespräch geladen: Fast leer ist der
Kirchenraum. 25 Gläubige, inklusive Pfarrer Eberlein und Kaplan Norbert
Tober. Nach einem kurzen Gebet werden sie in Fünfer-Gruppen aufgeteilt,
zum Diskutieren. Jede mit einem Fragebogen in der Hand. Die Gruppe um
Gemeindereferentin Karin Wiaterek verschwindet für eine Stunde in ihrem
Büro. Zunächst Stille. Kritisch beäugen die Gemeindemitglieder ihre
Zettel, die irgendwie an Marktanalysen erinnern. Verschiedene Fragen und
viele Antwortmöglichkeiten. Die Aufgabe: ankreuzen. Von 1 wie unwichtig,
bis 10 wie sehr wichtig. Was ist Ihnen an Ihrem Glauben
wichtig? A: Mein Leben bekommt einen Sinn, B: Ich fühle mich bei Gott
geborgen. C: Ich brauche keine Angst zu haben... Doch die Stifte ruhen.
"Ich kann mit den Fragen nichts anfangen", sagt Dieter Zelck.
"Wichtig ist doch zu wissen, wie geht es den anderen mit den Fragen.
Eine Bewertung ist mir da schnuppe! Das ist viel zu theoretisch." Ein
Mann mit weißem Haar, rechts neben ihm: "Zum Beispiel diese Antwort
mit der Angst. Angst gehört doch zum Leben dazu. Sie ist manchmal auch
was Gutes. Warum sollte ich keine Angst haben, nur weil ich glaube? Aber
der Glaube kann meine Angst erträglich machen." Nach einer
Viertelstunde ist kein Kreuz gesetzt. Zu viele verschiedene Meinungen.
"Vielleicht sollten wir daraus einen Durchschnitt bilden..." Die
Zeit rennt. Schnell wechselt die Gruppe zum
zweiten Themenkreis. Wodurch wird das Gemeindeleben bei Ihnen geprägt?
Lebendige Kinderpastoral? Kreuz bei 10. Durch ansprechende Gottesdienste?
Kreuz bei 8. Caritasarbeit: 7. Bei der Antwortmöglichkeit
"Gesprächskreise über Glaubensfragen" kommt die Diskussion
plötzlich ins Stocken. Karin Wiaterek: "Wir haben so viele Angebote:
Bibelkreise, Familienkreise, Jugendgruppen." Aber was ist mit denen,
die weder jugendlich sind, noch eine Familie haben. Kommen die nicht zu
kurz?" Apropos kurz. Noch wenige Minuten, dann ist die Stunde um. Und
die letzte, vielleicht wichtigste Frage, ist noch nicht beantwortet:
"Was möchten Sie in Ihrer Gemeinde (...) langfristig erreichen? In
welche Richtung soll das Erzbistum in Zukunft steuern?" Schnell ist
die Antwort formuliert. "Die Gemeinschaft mehr pflegen. Ihr helfen,
sich auch weiterhin an ihrem Glauben zu freuen. Wir müssen mehr
versuchen, Familien an die Gemeinde zu binden und mehr für die Gruppe der
Gemeindemitglieder ab 20 tun." Dann geht es wieder in die
Kirche. Die Gruppen sollen ihre Erkenntnisse vorstellen. Zum Abschluss das
"Vater Unser". Und weitere Fragen. Was hat das Ganze nun
gebracht? Gisela Owsinski, Vorsitzende des Gemeinderates, fasst zusammen:
"Wenn man sich nicht von Zeit zu Zeit solche Fragen stellt und
diskutiert, wird manches oberflächlich, man verliert die Sensibilität
gewissen Dingen gegenüber. Die Fragen helfen, sich diese Dinge wieder ins
Bewusstsein zu rufen, wieder sensibler zu werden." Aber auch
kritische Töne waren zu hören: "Die Fragen sind viel zu
kompliziert, oft nicht verständlich. Aber sie helfen, gemeinsam den
Glauben wieder lebendig zu machen. Sie stellen die Gemeinden vor Ort vor
neue Herausforderungen." Aber was können die nur 25
Gläubigen, die sich zum Pastoralgespräch "Das Salz des
Nordens" trafen, überhaupt bewegen? Gisela Owsinski: "Es ist
nicht wichtig, wie viele dabei waren. Denn: Sie streuen die Fragen und
Anregungen in ihren Familien und Freunden. Wir haben die Fragen in den
verschiedenen Gesprächskreisen analysiert. Diese streuen sie, wie das
Salz im Meer, weiter und weiter." Und immerhin: Nur 15 Gramm
Meeressalz pro Liter schaffen es, die ganze Ostsee zu versalzen... Matthias Saretz
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