"Realistisch, pragmatisch, konstruktiv"
Erste Richtungen im Pastoralgespräch zeichnen sich schon am Ende der ersten Phase ab
Bericht in der Neuen Kirchenzeitung vom 13. Juni 2004 

Einsendeschluss 10. Juni: Das bedeutet Arbeit. Eine ganze Kiste mit Beiträgen zum Pastoralgespräch "Das Salz im Norden" muss der Postbote täglich in den dritten Stock des Hamburger St.-Birgitta-Hauses hieven. "In den vergangenen Tagen ist die Postkiste deutlich schwerer geworden", berichtet Rosemarie Maier-Pirch, Mitarbeiterin der Pastoralen Dienstelle. Bei ihr bekommt jedes Fragebogenheft erst einmal eine Nummer: 568, 569, 570... so weit der Stand vom vergangenen Donnerstag. Und was passiert mit Einsendungen, die nach dem Zehnten kommen? "So lange wir die Beiträge aufnehmen können, werden wir es tun. Aber garantiert ist die Aufnahme nur für die, die innerhalb der Frist geblieben sind", informiert Harald Strotmann, stellvertretender Leiter der Pastoralen Dienststelle.

Die nächsten beiden Monate sind nämlich fest verplant: Alle handschriftlichen Texte werden erst einmal abgeschrieben und in eine Word-Datei getippt. Ein spezielles Computerprogramm sortiert die Ergebnisse der Bewertungsskalen. Danach werden die Äußerungen anhand eines recht komplizierten Kriterienkataloges quasi auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt.

"Wir bemühen uns darum, dass jeder Einsender eine Antwort von Dompropst Jansen bekommt", schildert Harald Strotmann. Nachdem die Antwort geschrieben ist, werden die Absendernamen von den Bögen entfernt. Künftig kann man nur noch erkennen, zu welcher Absendergruppe der Beitrag gehört (etwa Pfarrgemeinderat oder Einzeleinsender).

Einige Beiträge hat auch Erzbischof Werner Thissen beantwortet. Jeder Antwortenkatalog geht nach der Erfassung über den Tisch des Bischofs. "Die Einsendungen sind sehr vielfältig, sehr anregend, sehr konstruktiv", lobt der Erzbischof die Absender. "Ich merke, dass das Pastoralgespräch in allen Gemeinden irgendwie Thema ist."

Ebenso urteilt Harald Strotmann: "Wir haben nur wenig polemische Briefe, und wenige, die das Gespräch als Klagemauer genutzt haben. Die große Mehrheit ist sehr realistisch und pragmatisch, mit konstruktiver Kritik." Was ihm ebenfalls positiv auffällt: Die ganze Breite des Bistums ist vorhanden: Sowohl Pfarrgemeinderäte und Gruppen, Familienkreise und Einzelpersonen haben sich beteiligt. Auch geografisch ist das gesamte Bistum vertreten. "Zumindest wüsste ich keine Gemeinde, aus der gar nichts gekommen wäre." Für Harald Strotmann ist nach der Lektüre von gut 500 Einsendungen bereits die Richtung sichtbar, in die sich das Pastoralgespräch bewegen wird. "Die Tendenzen sind deutlich. Für mich ist eigentlich heute schon klar, worüber wir beim Bistumstag im September reden werden."

Was bewegt die Einsender? "Sehr deutlich wird zum Beispiel die Sehnsucht nach einer gut gestalteten Liturgie." Auch die Beheimatung in der eigenen Gemeinde und Kirche und die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit kristallisierten sich als Anliegen der Gläubigen heraus. Im Bistumsgespräch am 4. September (siehe Text unten) werden solche Anliegen auf den Tisch kommen. Bis dahin hat das Organisationsteam des Pastoralgesprächs noch mit einer Schwierigkeit zu kämpfen: der Zusammenführung dieses Prozesses mit dem gleichzeitig laufenden "Konsolidierungsprozess" im Bistum. Im Zuge der Sparmaßnahmen sollen die Bistumsgelder für die Gemeinden um jährlich 3 Mio Euro und die Personalkosten um 7 Mio. Euro gekürzt werden. Noch ist öffentlich nicht bekannt, welchen Handlungsspielraum eine pastorale Neuorientierung im Bistum überhaupt hat.

Das biblische Motto "Salz im Norden" lässt aber die Hoffnung durchblicken, dass auch kleine Prisen große Wirkungen erzielen. Was das Symbol "Salz" sonst noch sagen kann, haben vor Pfingsten die Firmlinge der St. Hedwig-Gemeinde in Norderstedt auf den Punkt gebracht: Sie schenkten Erzbischof Thissen fünf verschiedene Sorten Salz: Badesalz, Kochsalz, Salz vom Toten Meer (das unter anderem Schönheit verleihen soll), Fleckenentferner-Salz – und Salz für die Spülmaschine, das zur Entkalkung des Apparates dient.

Andreas Hüser

 

 

 


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