|

Alle
Katholiken sollen zu Wort kommen
Bericht in der Neuen
Kirchenzeitung vom 8. Februar 2004 (Nr. 6, Seite 11)
zurück
Was ist der einmalige, unverzichtbare
Beitrag, den das Erzbistum Hamburg für die Menschen in Mecklenburg,
Schleswig-Holstein und Hamburg leistet? Umgekehrt: Was würde fehlen, wenn
es keine katholische Kirche in dieser Region gäbe? Solche Fragen stehen
als Zielfragen über dem bistumsweiten Pastoralgespräch, das nach dem
ersten Fastensonntag beginnen soll. Noch ist der genaue Titel dieses
Forums nicht formuliert. Die Eckdaten aber stehen fest. In den folgenden
zwei Jahren werden nach einem genau festgelegten Plan die Weichen für die
seelsorglichen Akzente des Bistums gestellt. Es wird neue Leitlinien
geben, und diese Leitlinien sollen praktisch umgesetzt werden.
In der ersten Phase dieses Gesprächs werden alle Katholiken in den
Gemeinden zu Wort kommen (siehe Rubrik rechts). Dafür gibt es einen
Katalog von Gesprächsanregungen. Ein Entwurf für diese Anregungen liegt
vor, wird aber noch überarbeitet. Ein Fragenkomplex, der in den Gemeinden
besprochen wird, kann so aussehen: "Alle Menschen sollen erfahren,
was uns als Christen wichtig ist. Viele Menschen nehmen uns als Christen
und als Kirche nicht genügend wahr. Ließe sich das verbessern durch
stärkere Zusammenarbeit unserer Gemeinde mit den Medien? Durch Verteilen
von Flyern oder Handzetteln in belebten Straßen? Durch Schaukästen im
Fußgängerbereich? Durch bewusste Beteiligung als Christen bei
öffentlichen Veranstaltungen? Durch stärkere politische Betätigung?
Indem wir auf einzelne Personen zugehen? Indem wir neu Zugezogene
ansprechen? Welche Gedanken kommen Ihnen außerdem?"
Die Fragen sollen vor allem als Gesprächsanregung dienen, weniger dazu,
bestimmte Ansichten "abzufragen." "Nicht alles, was in der
Pastoral wichtig ist, ist auch in diesen Gesprächsanregungen
benannt", erläuterte Erzbischof Dr. Werner Thissen. "Aber das
ist Methode. Das ganze gleicht einem riesigen Wollknäuel, aus dem einige
Fäden herausgucken. Zieht man an einem Faden, kommt man zum ganzen."
Festgelegte Grundsätze und Regeln sollen dafür sorgen, dass aus dem
riesigen Knäuel von bedenkenswerten Themen irgendwann ein fertig
gestricktes Bistumsprogramm wird. Einer dieser Grundsätze heißt:
"Das Pastoralgespräch akzeptiert die realen Gegebenheiten. Es
beschränkt sich auf das, was innerhalb des Erzbistums im Rahmen der
finanziellen und personellen Möglichkeiten angegangenen und verändert
werden kann." Das bedeutet einerseits eine Berücksichtigung der
vorhandenen Ressourcen. Die Forderung nach einer katholischen
Eliteuniversität in Hamburg mag ihren Reiz haben, wäre aber nicht zu
realisieren und eignet sich nicht für das Pastoralgespräch.
Andererseits soll sich das Gespräch auf Entscheidungen beschränken, die
auch auf Bistumsebene entschieden werden können. Das ist bei Fragen wie
Frauenpriestertum oder Zölibat nicht der Fall. "Natürlich gibt es
keine verbotenen Themen", so der Bischof. Aus dem Pastoralgespräch
sollten aber auch Ergebnisse münden, die auf der Ebene des Bistums
umgesetzt werden können.
Die Reaktion der Pfarrer auf die erste Vorstellung des Projekts war
überwiegend positiv. Viele von ihnen äußerten deutliche Erwartungen an
dieses Gespräch. Tenor: "Den Primat der Pastoral wieder
herstellen", oder, wie ein Hamburger Pfarrer deutlich machte:
"Ich will wieder mehr Seelsorger sein können." Es gab aber auch
kritische Anfragen. Ist die Zeit des Dialogs in den Gemeinden –
Fastenzeit bis Sommerferien – nicht zu kurz?
Wie können Leute erreicht werden, die am Gemeindeleben nicht ständig
teilnehmen? Ist es sinnvoll, das Gespräch gerade vor anstehenden
Neuwahlen der Gemeindegremien zu beginnen? Wird das Gespräch nicht in
einer großen Enttäuschung enden, wenn die Ergebnisse am Ende wegen
Geldmangels nicht umgesetzt werden? "Werden die Erzbischöflichen
Ämter geschlossen?" so lautete eine weitere Frage. Dazu der
Erzbischof: "Es wird sicherlich ein Thema des Gespräch sein, wie wir
in Zukunft die Prioritäten zwischen Ortsnähe und schlanker Verwaltung
setzen. Wenn ich Ihnen aber heute schon alle Fragen beantworten könnte,
dann brauchten wir ja das Pastoralgespräch nicht mehr." Andreas
Hüser
Hintergrund
Das
Vorbereitungsteam
Der Plan für das pastorale Gespräch ist nicht von heute auf morgen
entstanden. Eine Vorbereitungsgruppe unter Leitung des Erzbischofes hat
bereits die Struktur des künftigen Gesprächs festgelegt. In dieser
Gruppe haben gearbeitet:
Stefan Büngens (Caritas)
Dechant Burkhard Göcke (Priesterrat)
Andreas Herzig (Stabsstelle Medien)
Dompropst Dr. Alois Jansen (Pastorale Dienststelle)
Anita Klemke (Diözesanpastoralrat)
Claudia Kraken (Diözesanpastoralrat)
Dr. Martin Lätzel (Pastorale Dienststelle)
Dechant Hermann-Josef Lentze (Priesterrat)
Dechant Franz Mecklenfeld (Priesterrat)
Ursula Nielen (Pastorale Dienststelle)
Maria Schalke (Diözesanpastoralrat)
Harald Strotmann (Pastorale Dienststelle)
Dechant Dr. Jürgen Wätjer (Priesterrat)
Der Zeitplan
Die Phase der Vorbereitung steht kurz vor dem Abschluss. Sie endet
damit, dass der Bischof in einem Hirtenwort am 1. Fastensonntag offiziell
zum Pastoralgespräch einlädt.
Mit dieser Einladung beginnt die Phase des Dialogs. Von März bis Ende
Juli geht das Wort an die Gemeinden. Sie sollen in eigenen Veranstaltungen
Stimmen der Katholiken sammeln und anschließend schriftlich dokumentieren
(bis Ende Juli).
Die Dialogphase endet mit einer Focussierung (Bündelung), in der aus
allen Einsendungen eine Palette von Optionen zusammengestellt wird (Juli
bis September).
Diese Sammlung ist die Gesprächsvorlage beim Bistumstag am 4. September
in Hamburg. Die Ergebnisse dieses Bistumstages werden in pastoralen
Leitlinien umgesetzt, die bis Oktober 2004 vorliegen sollen.
Danach beginnt die Phase der Konkretisierung. Anhand der Leitlinien
entstehen Konzepte für die Verwirklichung in den Gemeinden und anderen
kirchlichen Einrichtungen. In einem weiteren Bistumstag, voraussichtlich
im Oktober 2005, sollen diese Konzepte vorgestellt werden.
Dann geht es in einer weiteren Phase um die Umsetzung des Geforderten. In
Gemeinden und Dekanaten entstehen möglicherweise neue Schwerpunkte und
Projekte. Die Umsetzungsphase dauert von November 2005 bis Oktober 2006.
Das folgende Jahr dient der Überprüfung dieser Umsetzung. Mit einem
weiteren festlichen Bistumstag im Oktober 2006 wird das pastorale
Gespräch beendet.
Der Berater
Der gesamte Prozess des Pastoralen Gespräches soll von einem externen
Berater begleitet werden. Dr. Valentin Dessoy ist Psychotherapeut und
Organisationsberater. Er hat bereits ähnliche Pastoralforen in anderen
Bistümern begleitet. Außerdem ist er Mitarbeiter des
Theologisch-Pastoralen Instituts in Mainz. Die Rolle des Beraters
beschränkt sich auf die Unterstützung in Fragen der Organisation und des
Ablaufs. Über die Inhalte des Gesprächs entscheiden allein die
Beteiligten des Bistums. Außerdem soll das Gespräch autonom nach einem
Projektplan und festgelegten Regeln verlaufen.Die Bistumsleitung
verpflichtet sich, in den Ablauf nicht einzugreifen.
Die
Beteiligten
Adressaten des Auftrags, also die inhaltlichen Gestalter des
Gesprächs sind folgende Gruppen: die Katholiken des Erzbistums, die
hauptamtlich Beschäftigten, die Gemeinden einschließlich der
ausländischen Missionen, die Dekanate, die speziellen Seelsorgebereiche
(z.B. Krankenseelsorge), die Berufsgruppen, die Orden, die geistlichen
Gemeinschaften, die kirchlichen Einrichtungen, die Verbände
einschließlich Caritas, die Pastoralräte und die Dienststellen des
Erzbistums.
zurück
|