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aktuell vom 29. September 2005

Regionale Bistumstage 2005

Umsetzung der Leitsätze in die Praxis

Von Andreas Hüser

Ein Tag Arbeit an der Zukunft des Bistums: Delegierte aus Schleswig-Holstein entwarfen am vergangenen Samstag Handlungsmöglichkeiten der Pastoral.

Was tun, wenn man eine ganze Nacht gefischt hat und kein einziger Fisch im Netz gelandet ist? Im Evangelium bekommt diese Frust-Geschichte eine andere Wendung, nachdem Jesus aufgetreten ist. “Wir wollen auf die hohe See hinausfahren und die Netze neu auswerfen, weil Jesus uns dazu beauftragt hat.” Mit diesem Bild eröffnete Erzbischof Dr. Werner Thissen die Runde von drei regionalen Bistumstagen im Rahmen des Pastoralgesprächs “Das Salz im Norden”. Von Trappenkamp aus stach eine erste Flotte von Fischern in See. “Die Leitsätze sind die Boote, in denen wir fahren. Jetzt wollen wir die Netze knüpfen, die wir auswerfen werden.”

Die Stürme, die noch im vergangenen Jahr rund um das Pastoralgespräch tobten, haben sich einigermaßen beruhigt. Erste Erfahrungen mit der Neustrukturierung, in der auch in Schleswig-Holstein die Zahl der Pfarreien deutlich reduziert wurde, liegen vor.

Wie kommen wir mit der neuen Struktur zurecht? Wie werden die Ressourcen am besten eingesetzt? Welche neuen Ressourcen gibt es zu erschließen? Mit diesen Fragen im Gepäck reisten die 200 Teilnehmer des Tages nach Trappenkamp. Im Zentrum der Tagesordnung stand die Arbeit in Kleingruppen, wobei jede Gruppe von etwa 20 Personen sich mit einem der sieben Leitsätzen befasste.

Diskussion in sachlicher, positiver Atmosphäre

Am Nachmittag wurden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt. In positiver, sachlicher Atmosphäre sei der Tag verlaufen, so urteilten am Nachmittag fast alle Teilnehmer. Schwester Fides aus Neumünster sprach aus, was viele bewegte: “Die neuen Rahmenbedingungen können Angst machen, sie können aber auch beflügeln.”

Zu Beginn der Tagung versprach Generalvikar Franz-Peter Spiza die Unterstützung der Gemeinden durch die Bistumsverwaltung. “Die Leitsätze fordern auch uns auf, unsere Arbeit zu überdenken.” Trotz Stellenabbaus sei das Generalvikariat entschlossen, die Kommunikation und Ansprechbarkeit zu verbessern und die Dienstleistungsfunktion für die Gemeinden aufrecht zu erhalten.

Die Erwartungen an das Bistum wurden im Laufe des Tages klar geäußert. Dabei zog sich eine Aussage wie ein roter Faden durch die Arbeitsgruppen: Die Ehrenamtlichen sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Dafür erwarten sie, an Entscheidungen beteiligt zu werden. Ferner wünschen sie sich Schulung und Begleitung, konkrete Beauftragung und klare Einteilung von Aufgaben.

Auch Pfarrer wollen Schulung

Erzbischof Thissen unterstützte dieses Anliegen mit den Worten. “Man kann nicht einem Ehrenamtlichen sagen, mach du die Firmvorbereitung! Das kann nicht funktionieren.”

Pfarrer Michael Grodecki (Ahrensburg) wies auf eine weitgehend unbeachtete Seite des Themas “Schulung” hin: “Nicht nur Ehrenamtliche , auch wir Pfarrer haben Schulung nötig. Niemand sagt uns, wie wir uns aus unserer gewohnten Arbeit herauslösen können. Wir müssen über unsere Rollen neu nachdenken.”

Weiteres Thema war die Mission. Wie kann eine Kirchengemeinde Kontakt mit “Außenstehenden” knüpfen? “Heute erreichen wir diese Menschen nur, wenn eine Taufe ansteht oder eine Beerdigung.” Dabei gebe es Felder, in denen der “Draht” bereits da sei: Etwa der Religionsunterricht und die soziale Arbeit der Caritas. Eine Arbeitsgruppe machte eine Grundfrage bei der missionarischen Öffnung deutlich: “Wenn wir nach neuen Ansprechpartnern suchen, müssen wir auch deren Anliegen sehen, nicht nur unsere Ziele. Danach wäre zu fragen: Passen diese Anliegen unter das Dach unserer Gemeinde?”

 Welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich aus den Sieben Leitsätzen des Bistums? Beim Bistumstag in Schleswig-Holstein kamen viele Vorschläge zusammen. Hier eine Auswahl einzelner Stimmen:

Zuhören

Eine Gemeinde soll neu Zugezogene ansprechen und dabei vor allem ihre Anliegen und Sorgen wahrnehmen.

Auskunft geben

Christen wollen authentisch über ihren Glauben sprechen können, auch wenn sie nicht Theologie studiert haben. Eine sprachliche und inhaltliche Schulung ist nötig.

Schnittstellen finden

Die Caritas hat Kontakte zu Menschen außerhalb der Gemeinde. Diese Kontakte können Anknüpfungspunkte sein, um den Glauben weiterzugeben.

Aufgaben teilen

Ehrenamtliche wollen für ihre Tätigkeit einen klar umrissenen Auftrag und eine Autorisierung für ihren jeweiligen Dienst.

Miteinander reden

Es sollen Wege gefunden werden, wie Gemeindemitglieder und Angehörige der Gremien über Entscheidungen und Entscheidungswege informiert werden.

Miteinander streiten

Die Kirche entwickelt auf allen Ebenen eine Streitkultur. Meinungsverschiedenheiten werden als notwendiger und guter Teil von Kommunikation begriffen. Techniken und Methoden des Streitgesprächs sind Inhalt von Fortbildungen.

Stellung beziehen

Die katholische Kirche zeigt Flagge und äußert sich zu Angelegenheiten des öffentlichen Lebens. Dabei wird berücksichtigt, dass innerhalb der Kirche verschiedene Meinungen ihr Recht haben.

Zeugnis im Alltag

Christen bezeugen ihren Glauben nicht nur in Kirche und Gemeinde, sondern da, wo sie im Alltag stehen, zum Beispiel im Beruf.

Religionsunterricht

Der Religionsunterricht wird als Chance genutzt, an junge Menschen heranzutreten.

Glaubensvertiefung:

Die Christen vor Ort wünschen sich Angebote zur Glaubensvertiefung wie Besinnungstage und Exerzitien.

Prioritäten setzen

Die Gemeindegremien Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat arbeiten besser zusammen. Vorrang vor den Finanzen haben die pastoralen Zielsetzungen.

Öffentlich werden

Gemeinden und Einrichtungen bekommen Hilfen vom Bistum, wie sie an die Öffentlichkeit treten können. Beispiel: Kontakt zur Redaktion der Tageszeitung.

Segen zusagen

Auch Nichtmitglieder der Gemeinde sollen in liturgischen Feiern den Segen Gottes erfahren. Dazu entwickelt die Gemeinde Segnungsgottesdienste.


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(Adloff, Sendker, Hüser)