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Regionale
Bistumstage 2005
Umsetzung
der Leitsätze in die Praxis

Von Andreas Hüser
Ein Tag Arbeit an der Zukunft des
Bistums: Delegierte aus Schleswig-Holstein entwarfen am
vergangenen Samstag Handlungsmöglichkeiten der Pastoral.
Was tun, wenn man
eine ganze Nacht gefischt hat und kein einziger Fisch im Netz
gelandet ist? Im Evangelium bekommt diese Frust-Geschichte
eine andere Wendung, nachdem Jesus aufgetreten ist. “Wir
wollen auf die hohe See hinausfahren und die Netze neu
auswerfen, weil Jesus uns dazu beauftragt hat.” Mit diesem
Bild eröffnete Erzbischof Dr. Werner Thissen die Runde von
drei regionalen Bistumstagen im Rahmen des Pastoralgesprächs
“Das Salz im Norden”. Von Trappenkamp aus stach eine erste
Flotte von Fischern in See. “Die Leitsätze sind die Boote,
in denen wir fahren. Jetzt wollen wir die Netze knüpfen, die
wir auswerfen werden.”
Die Stürme, die
noch im vergangenen Jahr rund um das Pastoralgespräch tobten,
haben sich einigermaßen beruhigt. Erste Erfahrungen mit der
Neustrukturierung, in der auch in Schleswig-Holstein die Zahl
der Pfarreien deutlich reduziert wurde, liegen vor.
Wie kommen wir mit
der neuen Struktur zurecht? Wie werden die Ressourcen am
besten eingesetzt? Welche neuen Ressourcen gibt es zu erschließen?
Mit diesen Fragen im Gepäck reisten die 200 Teilnehmer des
Tages nach Trappenkamp. Im Zentrum der Tagesordnung stand die
Arbeit in Kleingruppen, wobei jede Gruppe von etwa 20 Personen
sich mit einem der sieben Leitsätzen befasste.
Diskussion in sachlicher,
positiver Atmosphäre
Am Nachmittag
wurden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt. In positiver,
sachlicher Atmosphäre sei der Tag verlaufen, so urteilten am
Nachmittag fast alle Teilnehmer. Schwester Fides aus Neumünster
sprach aus, was viele bewegte: “Die neuen Rahmenbedingungen
können Angst machen, sie können aber auch beflügeln.”
Zu Beginn der
Tagung versprach Generalvikar Franz-Peter Spiza die Unterstützung
der Gemeinden durch die Bistumsverwaltung. “Die Leitsätze
fordern auch uns auf, unsere Arbeit zu überdenken.” Trotz
Stellenabbaus sei das Generalvikariat entschlossen, die
Kommunikation und Ansprechbarkeit zu verbessern und die
Dienstleistungsfunktion für die Gemeinden aufrecht zu
erhalten.
Die Erwartungen an
das Bistum wurden im Laufe des Tages klar geäußert. Dabei
zog sich eine Aussage wie ein roter Faden durch die
Arbeitsgruppen: Die Ehrenamtlichen sind bereit, mehr
Verantwortung zu übernehmen. Dafür erwarten sie, an
Entscheidungen beteiligt zu werden. Ferner wünschen sie sich
Schulung und Begleitung, konkrete Beauftragung und klare
Einteilung von Aufgaben.
Auch Pfarrer wollen Schulung
Erzbischof Thissen
unterstützte dieses Anliegen mit den Worten. “Man kann
nicht einem Ehrenamtlichen sagen, mach du die
Firmvorbereitung! Das kann nicht funktionieren.”
Pfarrer Michael
Grodecki (Ahrensburg) wies auf eine weitgehend unbeachtete
Seite des Themas “Schulung” hin: “Nicht nur
Ehrenamtliche , auch wir Pfarrer haben Schulung nötig.
Niemand sagt uns, wie wir uns aus unserer gewohnten Arbeit
herauslösen können. Wir müssen über unsere Rollen neu
nachdenken.”
Weiteres Thema war
die Mission. Wie kann eine Kirchengemeinde Kontakt mit “Außenstehenden”
knüpfen? “Heute erreichen wir diese Menschen nur, wenn eine
Taufe ansteht oder eine Beerdigung.” Dabei gebe es Felder,
in denen der “Draht” bereits da sei: Etwa der
Religionsunterricht und die soziale Arbeit der Caritas. Eine
Arbeitsgruppe machte eine Grundfrage bei der missionarischen
Öffnung deutlich: “Wenn wir nach neuen Ansprechpartnern
suchen, müssen wir auch deren Anliegen sehen, nicht nur
unsere Ziele. Danach wäre zu fragen: Passen diese Anliegen
unter das Dach unserer Gemeinde?”
Welche Handlungsmöglichkeiten
ergeben sich aus den Sieben Leitsätzen des Bistums? Beim
Bistumstag in Schleswig-Holstein kamen viele Vorschläge
zusammen. Hier eine Auswahl einzelner Stimmen:
Zuhören
Eine Gemeinde soll neu Zugezogene
ansprechen und dabei vor allem ihre Anliegen und Sorgen
wahrnehmen.
Auskunft geben
Christen wollen authentisch über
ihren Glauben sprechen können, auch wenn sie nicht Theologie
studiert haben. Eine sprachliche und inhaltliche Schulung ist
nötig.
Schnittstellen finden
Die Caritas hat Kontakte zu
Menschen außerhalb der Gemeinde. Diese Kontakte können Anknüpfungspunkte
sein, um den Glauben weiterzugeben.
Aufgaben teilen
Ehrenamtliche wollen für ihre Tätigkeit
einen klar umrissenen Auftrag und eine Autorisierung für
ihren jeweiligen Dienst.
Miteinander reden
Es sollen Wege gefunden werden,
wie Gemeindemitglieder und Angehörige der Gremien über
Entscheidungen und Entscheidungswege informiert werden.
Miteinander streiten
Die Kirche entwickelt auf allen
Ebenen eine Streitkultur. Meinungsverschiedenheiten werden als
notwendiger und guter Teil von Kommunikation begriffen.
Techniken und Methoden des Streitgesprächs sind Inhalt von
Fortbildungen.
Stellung beziehen
Die katholische Kirche zeigt
Flagge und äußert sich zu Angelegenheiten des öffentlichen
Lebens. Dabei wird berücksichtigt, dass innerhalb der Kirche
verschiedene Meinungen ihr Recht haben.
Zeugnis im Alltag
Christen bezeugen ihren Glauben
nicht nur in Kirche und Gemeinde, sondern da, wo sie im Alltag
stehen, zum Beispiel im Beruf.
Religionsunterricht
Der Religionsunterricht wird als
Chance genutzt, an junge Menschen heranzutreten.
Glaubensvertiefung:
Die Christen vor Ort wünschen
sich Angebote zur Glaubensvertiefung wie Besinnungstage und
Exerzitien.
Prioritäten setzen
Die Gemeindegremien
Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat arbeiten besser zusammen.
Vorrang vor den Finanzen haben die pastoralen Zielsetzungen.
Öffentlich werden
Gemeinden und Einrichtungen
bekommen Hilfen vom Bistum, wie sie an die Öffentlichkeit
treten können. Beispiel: Kontakt zur Redaktion der
Tageszeitung.
Segen zusagen
Auch Nichtmitglieder der Gemeinde
sollen in liturgischen Feiern den Segen Gottes erfahren. Dazu
entwickelt die Gemeinde Segnungsgottesdienste.
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