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Der Bistumstag
Optionen
1. Unser
Selbstverständnis: Volk Gottes mit einer visionären Praxis
Wir katholische
Christen im Erzbistum Hamburg verstehen uns als Volk Gottes
auf dem Weg durch die Zeit. Heilsdienst und Frohbotschaft sind
der unverwechselbare Beitrag unserer Ortskirche für die
Gesellschaft. Sie müssen radikal auf die Erfahrungen, die
Fragen, die Sorgen und Nöte der Menschen von heute bezogen
werden, weil sie ansonsten ihre Anschlussfähigkeit und ihre
bewegende Kraft verlieren. Der Prozess
der Neuformulierung der Botschaft in der Sprache und
Lebenswelt der Menschen und die Anpassung unserer Ortskirche
hinsichtlich der Strukturen, der Rollen, der Prozesse und der
Dienste sind in unserer zunehmend sich differenzierenden und
schnelllebigen Gesellschaft permanent zu vollziehen.
Damit dies gelingt, sind alle gefragt, ihre Erfahrungen, ihre
Ideen und Charismen einzubringen und sich an den notwendigen
Zukunftsentscheidungen zu beteiligen. Damit dies möglich
wird, sind die entsprechenden strukturellen und personellen
Voraussetzungen zu schaffen.
2.
Unser Auftrag: Sammlung und Sendung (Mission)
Es
ist unser Auftrag, die Menschen mit der Botschaft Jesu Christi
in Berührung zu bringen. Wir wollen den Trend zur
schleichenden Abkehr von der Kirche und vom Evangelium
umkehren und die Menschen wieder neu gewinnen und begeistern.
Indem wir neue Mitglieder willkommen heißen, erkennen wir die
Wirksamkeit unseres Tuns, ebenso wie an verstärktem
ehrenamtlichen Engagement. Deswegen soll die missionarische
Ausrichtung unseres Heilsdienstes überall im Bistum
(Gemeinden/Einrichtungen, Regionen, Diözese) deutlich werden.
Das bedeutet für uns konkret:
Wir setzen uns intensiv mit unserem eigenen
Glauben auseinander.
Wir wollen unsere christliche Lebenspraxis und unsere
Gemeinschaft für die Menschen anziehend machen. Wir wollen
uns stärker als bisher den Menschen öffnen, die der Kirche
fern stehen und nach Sinn suchen. Wir
gehen aus dem binnenkirchlichen Raum hinaus zu den Menschen, um
ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste bewusst wahrzunehmen und
aktiv den Glauben zu verkünden, der unsere Hoffnung trägt.
Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten zu sehr auf
diejenigen beschränkt, die für uns leichter zu erreichen
waren und dadurch breite Bevölkerungsgruppen aus dem Blick
verloren. Dies gilt insbesondere für die Erwachsenen im Alter
zwischen 25 und 45 Jahren, auf
deren Fragen unsere Kirche kaum noch eine Antwort bietet.
Gerade sie tragen – unabhängig von ihrer jeweiligen
Lebensform - die gesellschaftliche Verantwortung für die
jüngere Generation und die Menschen im Alter. Sie
zu gewinnen und zu mobilisieren ist eine zentrale Aufgabe für
die Zukunft. Durch sie kann der Glaube in die jeweiligen
Lebens- und Arbeitskontexte weiter getragen werden.
Es
gibt Regionen im Bistum, die geprägt sind von
Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Überalterung. Die Präsenz
der Kirche ist uns in diesen Situationen ein besonderes
Anliegen.
3.
Unser Tun: Priorisierung, Anschlussfähigkeit und Vernetzung
Als Volk Gottes sehen
wir uns mit Christus unterwegs und seinem Evangelium
verpflichtet. Die Pastoral im Erzbistum hat sich deswegen am
Evangelium zu orientieren. In diesem
Sinne müssen wir unsere Aufgaben auf den Prüfstand stellen
und Prioritäten setzen. Dabei stellen wir die
kirchlichen Grundvollzüge von Liturgie, Caritas,
Verkündigung und Koinonia (Gemeinschaftsbildung) sicher. Wir
werden diese Grundvollzüge verzahnen, stärker als dies bis
dato der Fall ist. Insbesondere achten
wir darauf, dass die diakonische Arbeit wieder stärker mit
der Seelsorge vernetzt und die Arbeit der Caritas stärker
pastoral geprägt wird.
Das
bedeutet konkret:
Die
gegenwärtig spürbare und zukünftig verstärkt zu erwartende
Verknappung der Ressourcen zwingt uns auch im Erzbistum
Hamburg unser Handeln, also das, was wir tun und wofür wir die
vorhandenen Ressourcen einsetzen, kritisch zu überprüfen und
unter dem Primat der Pastoral zu priorisieren: Das Kriterium
für das, was wir tun bzw. weglassen ist die Wirkung des Tuns
im Sinne einer missionarischen Pastoral. Dabei werden
die faktischen finanziellen und personellen Bedingungen als
Handlungsgrundlage akzeptiert und als Chance der Erneuerung
verstanden.
Dienste vor Ort (z.B. Kitas, Krankenhäuser, Altenheime etc.)
werden stärker als bisher pastoral profiliert, d.h. die
bereits erfolgte Qualitätsentwicklung
wird unter theologischen Gesichtspunkten überprüft und wo
nötig ergänzt. Die Gemeinden werden caritative Arbeit ins
Gemeindegeschehen integrieren. Darüber
hinaus gilt es, Orte in der Gesellschaft wahrzunehmen, in
denen Menschen Not leiden (z.B. Beratungsstellen,
Justizvollzugsanstalt, Asylbewerberheim). Über die
Wahrnehmung hinaus werden sich die Gemeinden um einen regen
Kontakt bemühen und für die Not leidenden Menschen an diesen
Orten engagieren.
Ehrenamtliche Caritas wird als gemeindlicher bzw. pfarrlicher
Dienst aufgebaut und die Beteiligten qualifiziert. Die
Beschäftigten im kirchlichen Dienst (sowohl in der Caritas
wie in der Pastoral) sind die Entwickler, Ausbilder, Coaches.
Ihre eigene geistliche Vertiefung wird verstärkt, Exerzitien
und pastoral-theologische Begleitung werden erwartet und
gefördert.
4.
Unsere Gestalt: Eine lebendige Gemeinschaft
Wir stehen zu einer
sich ständig weiter entwickelnden Welt und wollen in ihr und
mit ihr als Gegenüber selbst den permanenten Wandel
vollziehen, der notwendig ist, um unseren Auftrag zu
erfüllen: Wir verändern grundlegend die (organisatorische)
Gestalt unserer Ortskirche. Deswegen brauchen wir für die
Zukunft eine professionelle, effiziente und schlanke
Organisation der Pastoral in der Fläche. Die
Verwaltungseinheit ist nach dem Kirchenrecht die Pfarrei mit
dem Pfarrer an der Spitze. Die Anzahl der Pfarreien ergibt
sich aus der langfristig verfügbaren Zahl der Priester im
Erzbistum. Die Bildung von 79 Pfarreien im Rahmen des
Konsolidierungsprozesses sichert eine stabile Struktur für
die nächsten Jahre, die den verfügbaren finanziellen und
personellen Ressourcen entspricht. Ausgehend von dieser
Struktur bedeutet das:
Christliches Leben und die Weitergabe des Glaubens, Sammlung
und Sendung vollziehen sich nicht nur in großen
Verwaltungseinheiten, sondern in Form von Begegnung in
Familien, kleinen Gemeinschaften und lebensraum- bzw.
lebensweltlichen Bezügen. Wir brauchen
daher für die Zukunft unterhalb der Ebene der Pfarreien
lebendige, selbstorganisierte Gemeinden als Subjekte der
Seelsorge.
Das Verhältnis zwischen Pfarrei und ihren Gemeinden ist
subsidiär. Pastorale Aufgaben/ Dienste und die Entscheidung
über den Einsatz von Ressourcen hierfür sind weitestgehend
zu dezentralisieren. Die Verwaltung der
Pfarrei ist Dienstleisterin für die Gemeinden. Aufbau,
Unterstützung, Weiterentwicklung und Vernetzung von
(selbstorganisierten) Gemeinden sind zukünftig Kernaufgaben
der Pfarrer und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen im Erzbistum.
Wenn Sammlung und Sendung an die Lebens- und Erfahrungswelt
der Menschen gebunden ist, kommt der kategorialen Seelsorge
(also der Seelsorge z.B. im Krankehaus, Gefängnis, Jugend
etc.) zukünftig eine besondere Funktion zu.
Wir brauchen zukünftig kategoriale Seelsorge, die sowohl in
enger Verbindung mit den Gemeinden steht, als auch
projektbezogenes Arbeiten ermöglicht, insbesondere um
alternative Zugänge zur Botschaft des Evangeliums zu
schaffen. Auch sie ist stärker als bisher als
Selbstorganisationsprozess engagierter Christen zu begreifen
und zu gestalten. Hauptamtliche in der kategorialen Seelsorge
verstehen sich als UnterstützerInnen und bauen diakonale
Netzwerke auf.
5.
Unsere (personellen) Ressourcen: Veränderte Rollen und
Aufgaben
Die veränderten
Rahmenbedingungen und die konsequente pastorale und
missionarische Ausrichtung unseres Handelns verlangen eine
grundlegende Veränderung der Rollen und Aufgaben der Akteure
und Gremien in den verschiedenen pastoralen Feldern. Wenn die
(territorialen und kategorialen) Gemeinden (Dienste und
Einrichtungen) Subjekt der Seelsorge (des missionarischen
Heilsdienstes) werden sollen, wenn also die Pastoral
zukünftig wesentlich von gläubigen Christen getragen werden
soll, kommen den ehrenamtlich Tätigen und den jeweiligen
Gremien der Mitverantwortung eine deutlich andere Rolle und
andere Aufgaben zu, als bisher. Motivierte und qualifizierte
(zu qualifizierende) Personen in Gemeinden und Diensten
betreiben zukünftig im Auftrag des Bischofs aktiv die
Seelsorge vor Ort. Die Gremien tragen dabei gemeinsam
Verantwortung mit dem Pfarrer und dem Bischof.
In
einem differenzierten und kooperativen Leitungsverständnis
hat der Pfarrer die durch das Kirchenrecht festgelegte und
durch Qualifikation zu erwerbende Kompetenz, die geistliche
Leitung/ Gesamtleitung einer Pfarrei wahrzunehmen. Er
repräsentiert die ganze Kirche in ihrer geistlichen
Dimension. Seine vorrangige Aufgabe ist nicht die
funktionale Organisation des seelsorglichen Alltags, sondern
die spirituelle Gesamtausrichtung des Ganzen und seiner Teile.
Dies beinhaltet wesentlich die Verantwortung für das Leben
und Wachsen der Gemeinde, für Wandlung und Entwicklung,
insbesondere also die Aufgabe, die seelsorglich Tätigen und
die Verantwortlichen vor Ort zu ihrem Tun zu befähigen und
sie darin zu stärken.
Die Pfarrer werden in dieser ihrer strategischen Aufgabe
unterstützt von den hauptamtlichen
pastoralen Mitarbeiter/innen, die in besonderer Weise zu
befähigen sind, pastorale und organisatorische
Veränderungsprozesse zu initiieren und zu begleiten sowie
ehrenamtliche Mitarbeiter/innen für die unterschiedlichen
Tätigkeitsfelder zu schulen und zu begleiten.
Ehrenamtliche in den Pfarreien und
Gemeinden werden leitende Aufgaben wahrnehmen, sowohl
in pastoraler Sicht (Verkündigung, Caritas und Liturgie) wie
in administrativer Sicht (Steuerung und Koordination). Dafür
wird ein ausreichendes Fortbildungsangebot durch das Erzbistum
bereit gestellt.
6.
Unsere Kommunikation nach innen: Wertschätzung, Offenheit und
Beteiligung
Wertschätzung,
Offenheit und Transparenz sind wesentliche Merkmale einer
Kirche mit menschlichem Antlitz. Gerade weil jede und jeder
ein Abbild Gottes ist, verpflichten wir uns auf einen Umgang,
der sich abhebt vom oft rauhen Umgangston in anderen
Organisationen. Wir profitieren davon, dass wir
"Betroffene zu Beteiligten" machen in der
Weiterentwicklung des Erzbistums Hamburg. Wir wollen lernen,
eine interne Kommunikation in den Gemeinden und zwischen den
hierarchischen Ebenen zu pflegen, die von Dialog und Offenheit
geprägt wird. Konkret heißt das:
Wir entwickeln ein Rätesystem, das einen transparenten
Austausch ermöglicht.
Wir definieren unsere Kernprozesse (z.B. Informations- und
Entscheidungsprozesse) und stellen Transparenz und
Überprüfbarkeit her.
Wir gehen Wege zu einer
verbesserten Kommunikation (z.B. im Gespräch mit
MitarbeiterInnen oder Ehrenamtlichen).
7. Unsere Kommunikation nach außen: Präsenz, Kooperation und
Profil
Als Christen im
Erzbistum Hamburg wollen wir in der Gesellschaft präsent
sein. Wir wissen um die Vorbehalte, denen katholische Kirche
in der heutigen Zeit begegnet. Davon wollen wir uns jedoch
nicht entmutigen lassen. Deswegen werden wir uns in unserem
Lebensumfeld ins Gespräch bringen, um selbstbewusst unsere
Stärken und Kompetenzen zu vermitteln.
In vergleichbarer Situation steht die evangelische Kirche.
Durch Schwerpunktsetzung in der Ökumene wollen wir
Zusammenarbeit intensivieren und Synergieeffekte nutzen.
Nicht zuletzt setzen wir Schwerpunkte, um in
gesellschaftlichen Bereichen verstärkt präsent zu sein. Wir
gestalten politisches Engagement auf allen Ebenen. Wir zeigen
Präsenz in Schulen/Unterricht/KiTas/anderen
Bildungseinrichtungen und im sozialen Bereich.
Konkret
heißt das:
Wir suchen das Gespräch mit den evangelischen Kirchen über
die Zusammenarbeit in ausgewählten Bereichen und führen
diese auch durch.
Wir sorgen für eine gute
"Presse", insbesondere in den Pfarreien und
Gemeinden. Das Erzbistum unterstützt die in der
Öffentlichkeitsarbeit engagierten Ehrenamtlichen durch
Materialien, Fortbildungen etc.
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