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aktuell vom 29. Mai 2005

Das Salz im Norden

Sieben Leitsätze

Liebe Schwestern und Brüder im Erzbistum Hamburg!

Mit den hier vorgelegten sieben Leitsätzen tritt das Pastoralgespräch unseres Erzbistums nun in eine neue und wichtige Phase. Ich danke allen herzlich, die bis hierher mitgetan, mitgedacht und mitgebetet haben. Die Mitarbeit vieler war ein großer Gewinn. Nun ist es an der Zeit, miteinander einen weiteren Schritt zu gehen. Deshalb setze ich die Leitsätze für unser Erzbistum in Kraft. Sie bündeln die bisherigen Ergebnisse des Pastoralgesprächs und sollen die pastoralen Aktivitäten neu ausrichten. Ich bitte Sie herzlich: Tun Sie weiter mit! Arbeiten Sie mit! Beten Sie mit!

Die Leitsätze geben die Richtung der Pastoral an. Sie sind Wegweiser. Vieles, was hier dargelegt wird, geschieht bereits in unserem Erzbistum. Vieles lässt sich aber auch intensivieren. Als nächstes werden aus diesen sieben Leitsätzen Handlungsmöglichkeiten entwickelt. Das sind praktische Schritte, die auf den regionalen Bistumstagen diskutiert werden. Anschließend treffen die Pfarreien, Einrichtungen und Verbände eine Entscheidung, welche Schritte sie gehen werden. Sie werden dabei von den Dienststellen des Generalvikariates unterstützt.

Die organisatorische und mehr noch die geistliche Erneuerung der Pastoral, die nun ansteht, ist eine notwendige und zugleich eine großartige Aufgabe! Sie ist Jesu Wort verpflichtet: "Ihr seid das Salz der Erde" (Mt 5,16). Dieses Wort aus der Bergpredigt ist Zuspruch und Anspruch zugleich. So hat es bereits das Motto unseres Pastoralgesprächs inspiriert: "Das Salz im Norden". Nun sei es für uns erneut Inspiration und Verpflichtung, uns aus dem Glauben für das Leben der Menschen und für die Ehre Gottes einzusetzen.

Mit diesen Leitsätzen erhalten Sie ein weiteres Gebet zum Pastoralgespräch. Als betende Kirche gehen wir im Norden unseren Weg.

Herzlich grüßt Sie

Ihr

+ Werner

Erzbischof von Hamburg

 

  1. Unsere Kirche im Norden hat viele Chancen
    1. Das Pastoralgespräch hat viele von uns in unserer Glaubensüberzeugung gestärkt: Wir stehen in der Nachfolge und in der Sendung Jesu, finden uns zusammen als Kirche aus seinem Geist, sind Teil des Volkes Gottes, das lebt aus der Gemeinschaft mit dem dreieinen Gott und das so Sakrament und Werkzeug seines Heilswillens für alle Menschen ist. Verschieden nach Alter und Geschlecht, nach Sprache und Herkunft aus zahlreichen Ländern und zuhause in den Regionen unseres Erzbistums sind wir gerade deshalb mit einer Vielzahl unterschiedlicher Lebens- und Glaubenserfahrungen gesegnet.

    2. Wir geben überzeugt und überzeugend weiter, was wir empfangen haben und was unseren Lebensreichtum ausmacht: Das ist das Evangelium vom Reich Gottes, vom Leben Gottes mit den Menschen. Für das kostbare Geschenk dieses Glaubens wollen wir Menschen aus unserem Umfeld neu gewinnen.
    3. Wir lassen uns vom Evangelium tiefer durchdringen und erzählen davon in einer Weise, die heute verstanden werden kann. Wir sprechen den Menschen in ihren vielfältigen Lebenswirklichkeiten Gottes Verheißung und Segen zu.
    4. Erfolg, Wachstum, Sinnfindung gehören ebenso wie Leid, Krankheit oder Arbeitslosigkeit zu den Lebenswirklichkeiten. Wir teilen Freude und Hoffnung oder Trauer und Angst der Menschen und bringen sie in Beziehung zur Botschaft Jesu.
    5. Wir setzen uns ein für die Einheit aller Christen. In gemeinsamer Verantwortung für die Gesellschaft entwickeln wir ökumenische Projekte und Kooperationen auf allen Ebenen.
    6. Die durch die gesellschaftlichen Entwicklungen und die aktuellen finanziellen Engpässe
    7. notwendig werdenden Veränderungen bedeuten Verlust. Wir werden Bewährtes aufgeben müssen. Andererseits begreifen wir die Veränderungen als Chance, uns geistlich und organisatorisch zu erneuern. Die Erfahrungen, Ideen und Charismen aller Gläubigen sollen hier zusammenkommen. Alle sollen sich beteiligen und beteiligt werden.

    8. Im Sinne dieser Anliegen sind die Aufgaben und Dienste, die Rollen und Strukturen in unserer Ortskirche zu überprüfen und zu aktualisieren.

     

  2. Unsere Kirche im Norden ist missionarisch.

2.1 Mission (Sendung) ist Teil von Wesen und Identität der Kirche. Zum missionarischen Kirchesein gehören Selbst- und Gottvertrauen.

Im Pastoralgespräch wird deutlich: Wir wollen wachsen! Geistlich, "nach innen", zu mehr Tiefe und Freude im Glauben. Und "nach außen", indem wir neue Mitglieder willkommen heißen und mit ihnen unser eigenes, unverwechselbares Profil stärker ausprägen.

Als Getaufte und Gefirmte wollen wir Zeugnis geben und die Quelle sprudeln lassen, die unser Leben speist: das Evangelium, letztlich Jesus Christus selbst und die Lebensgemeinschaft mit ihm. Die Kirche lebt in ihren Zeugen! Alle Gemeinden und Einrichtungen unseres Bistums sollen sich deshalb noch mehr der Aufgabe stellen, transparent zu sein für das Fundament, das sie trägt. Wir wollen lernen, miteinander unseren Glauben besser zu bezeugen.

2.2. Wachsen und mehr Menschen für das Evangelium gewinnen

Wir wollen stärker als bisher die Menschen erreichen, die der Kirche fern stehen, die den Bezug zu Gott verloren oder die Botschaft von Jesus Christus nie kennen gelernt haben. Wir wollen den Kirchenaustritten entgegenwirken und verstärkt für Taufe und Firmung werben.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

    • die pastoralen Räte auf allen Ebenen mit ihrer Kreativität konkrete Vorhaben entwickeln, zum Glauben einzuladen.
    • erprobte Ideen aufgegriffen und weiter entwickelt werden.
    • wir in besonderen Lebenssituationen gezielt den Kontakt mit den Menschen suchen.
    • wir noch stärker als bisher in der Gesellschaft und den Medien vorkommen.

2.3. Sprach- und Zeichenkompetenz verbessern

Diejenigen, die ausdrücklich mit der Feier und Weitergabe des Glaubens beauftragt sind, achten mit Sorgfalt darauf, wie im Gottesdienst, in der Katechese, im Religionsunterricht, in der Erziehung der Glaube gefeiert, ausgedrückt und gelebt wird. Dazu gehört als Grundlage das Wort und weiter die Fähigkeit, den Glauben in Feier, Bild, Musik, und Bewegung zu gestalten. Wir wollen die frohe Botschaft sachlich verantwortbar, persönlich glaubwürdig und lebensnah vermitteln.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • die Verantwortlichen selbst bereit sind, persönlich über ihren Glauben zu sprechen.
  • sie ihre sinnliche Wahrnehmung und ihre musische wie zeichenhafte Ausdrucksfähigkeit entwickeln.
  • sie die Fragen von Kindern, Gemeindemitgliedern, Gesprächspartnerinnen und – partnern auch als Anreiz für eigene Lernprozesse ansehen.
  • regelmäßige Fortbildung in der Verkündigung, insbesondere der Predigtschulung, für alle durchgeführt werden, die mit dieser Aufgabe betraut sind.

2.4. Mütter und Väter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Erziehung, Unterricht und Seelsorge ermutigen, über den Glauben zu sprechen

Vielen fällt es schwer, über den Glauben zu sprechen und den Glauben weiter zu geben. Wir möchten der verbreiteten Sprachnot entgegenwirken und fördern den Austausch zwischen Eltern sowie Frauen und Männern in Erziehung, Unterricht und Seelsorge. Wir möchten, dass sie mehr Lust daran gewinnen, den Glauben zum Inhalt ihrer Gespräche zu machen.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

    • Priester und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es sich zu einer vorrangigen Aufgabe machen, mit Eltern über den Glauben zu sprechen.
    • die Verantwortlichen in Kindergärten, Schulen und Gemeinden miteinander im Gespräch sind und kooperieren.
    • Priester und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig in Einrichtungen gehen.
    • Priester, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gemeinde, Kindergarten und Schule den Kindern und Jugendlichen die Kirche zeigen, Bilder und Symbole erschließen, miteinander beten und singen.
    • Angebote zur Glaubensbildung für Eltern sowie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen und Gemeinden entwickelt und verstärkt werden.

2.5 Frauen und Männer im Alter von 25 bis 45 Jahren erreichen

Menschen in dieser Altersgruppe sind bisher auffallend unterrepräsentiert. Wir wollen uns stärker auf die persönlichen und beruflichen Lebenswirklichkeiten der Menschen in dieser Altersgruppe einstellen.

Dies soll dadurch geschehen, dass

    • wir sie um ihrer selbst willen wahrnehmen.
    • wir ihre Themen stärker als bisher in unsere Verkündigung aufnehmen.
    • insbesondere die Priester sowie die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der heutigen Mobilität Rechnung tragen und ihre Präsenzzeiten daraufhin ausrichten.
    • wir uns stärker in den gesellschaftlichen Diskurs über Arbeit, soziale Sicherung und Familie einmischen.

2.6 unseren Glauben vertiefen

Wir wollen unsere Sendung aufmerksam wahrnehmen. Wir schöpfen Kraft aus der Sammlung, insbesondere der Feier der Eucharistie.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

    • wir Angebote zur geistlichen Vertiefung Einzelner und von Gruppen fördern.
    • eine Ansprechperson im Erzbistum für die Weiterentwicklung und Koordination dieser Angebote zuständig ist.
    • die Möglichkeit zur Feier der Eucharistie auch bei den neuen Pfarreistrukturen Priorität bleibt.
    • in Form von Großveranstaltungen (z.B. Bistumstage, Wallfahrten) der Austausch über unseren Glauben und gemeinsame geistliche Erfahrung im Erzbistum Hamburg ermöglicht werden.

 

3. Unsere Kirche im Norden ändert die Rahmenbedingungen für die Pastoral.
    1. Wir wissen, dass die Kirche sich immer wieder erneuern lassen muss, um dem Auftrag des Evangeliums treu zu sein. Zu den Zeichen der Zeit, die heute Veränderung erfordern, gehört gewiss auch, dass wir in Zukunft mit weniger Geld und Personal auskommen müssen. Das zwingt uns zur Überprüfung unseres kirchlichen Lebens.

3.2 Ausrichtung der personellen und finanziellen Möglichkeiten an den Leitsätzen

Weniger Geld und Personal bedeuten, dass wir die Zuweisung finanzieller Mittel und der Einsatz von Frauen und Männern im Dienst der Kirche stärker als bisher an den pastoralen Zielen ausrichten müssen. Dies bedeutet ebenso, dass wir überprüfen, wieweit wir unsere Ziele erreichen.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • die Leitsätze den Einsatz des Personals und der Steuerung der finanziellen Mittel vorgeben.
  • das Erzbistum, jede Pfarrei, alle Missionen, Verbände und Einrichtungen neben den Einnahmen aus Kirchensteuern und anderen Zuwendungen verstärkt selbst für zusätzliche finanzielle Mittel Sorge tragen.
  • das Erzbistum die Pfarreien, Missionen, Verbände und Einrichtungen in diesen Bemühungen und bei der Suche nach geeigneten Wegen unterstützt.
  • Tätigkeiten und Einrichtungen an der Erreichung der Ziele gemessen werden.
  • Tätigkeiten und Einrichtungen hinsichtlich ihres finanziellen Aufwands überprüft werden.
  • auf Wunsch von Pfarreien, Missionen, Verbänden und Einrichtungen regelmäßige Gespräche über die weitere Entwicklung mit unserem Erzbischof oder mit den von ihm Beauftragten stattfinden.
  • Jahresberichte für Einrichtungen und kategoriale Stellen obligatorisch werden.

 

3.3 Lebendige Gemeinden haben Priorität

Im Dekret vom 15. Dezember 2004 hat unser Erzbischof den finanziellen Rahmen für Zuweisungen an die Pfarreien festgelegt. Damit ist eine Planungsgrundlage gegeben. Die Sorge um lebendige Gemeinden ist eine erstrangige pastorale Aufgabe.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • nach Abschluss der Restrukturierung die Zahl der Pfarreien mittelfristig nicht weiter gesenkt wird.
  • Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und Selbstorganisation in der Gemeinde gefördert werden.
  • die personelle Besetzung der pfarrlichen Dienste Priorität hat.
  • kategoriale Stellen nach Möglichkeit an Gemeinden angebunden werden.
  • die Unterstützung des Generalvikariates für die Gemeinden verbessert wird.

3.4 Andere Formen der Seelsorge und des kirchlichen Lebens ergänzend anbieten

Gemeindliche Seelsorge kann nicht allen Erwartungen gerecht werden. Sie bedarf daher der Ergänzung durch andere Formen und andere Orte in der Seelsorge: Bildungs- und Exerzitienhäuser, kategoriale und beratende Dienste, Einrichtungen der verbandlichen Caritas, Tourismus- und Citypastoral, Kindertagesstätten und Schulen, katholische Verbände und geistliche Gemeinschaften.

Die begrenzten personellen und finanziellen Möglichkeiten des Bistums lassen diese Formen der Seelsorge und des kirchlichen Lebens nur exemplarisch zu. Nicht alles, was sinnvoll und nützlich wäre, kann erhalten und gefördert werden. Und doch ist eine Seelsorge mit lebensnahen Konturen anzustreben, die den heutigen differenzierten Lebensbezügen der Menschen gerecht zu werden versucht.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

    • versucht wird, auf Personen und Zielgruppen zuzugehen, die über die Gemeinde nicht erreicht werden.
    • Dienste mit caritativer Ausrichtung gefördert werden.
    • Dienste gefördert werden, die ehrenamtliche Arbeit stärken.
    • Dienste gefördert werden, die in Öffentlichkeit und Gesellschaft hineinwirken.
    • Dienste gefördert werden, mit denen Menschen erreicht werden, die den Glauben nicht kennen und nicht zur Kirche gehören.

 

 

3.5 Seelsorge und Diakonie wieder verstärkt miteinander verknüpfen.

Wir achten darauf, dass die Seelsorge in Liturgie und Verkündigung stärker mit der Diakonie, insbesondere mit der Arbeit caritativer Einrichtungen vernetzt wird. Die Caritas in der Gemeinde steht mit der verbandlichen Caritas in enger Verbindung. Die verbandliche Caritas ist auf die Gemeinden angewiesen. Die Gemeinden sollen die Arbeit der verfassten Caritas prägen.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • ehrenamtliche Caritas als gemeindlicher Dienst aufgebaut wird.
  • ehrenamtliche und hauptberuflich tätige Personen für den Aufbau und die Leitung dieser Kreise geschult werden.
  • die theologische Vertiefung caritativer Arbeit in das Programm der Aus- und Fortbildung aufgenommen wird.
  • pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gelegenheiten eröffnet werden, die Arbeit der verbandlichen Caritas besser kennen zu lernen.
  • Caritas und Pastoral verstärkt zusammenarbeiten, sich in ihrer Arbeit abstimmen, ergänzen und gemeinsam Konzepte entwickeln.
  • hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Caritas zu Dekanatspastoralkonferenzen eingeladen werden.
  • In Kooperation der Caritas mit der Pastoralen Dienststelle Exerzitien und pastoraltheologische Begleitung für ehrenamtliche und berufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeboten werden.
4. Unsere Kirche im Norden versammelt sich in lebendigen Pfarreien, Gemeinden

und fremdsprachigen Missionen

    1. "Kirche am Ort" und "Präsenz in der Fläche" sind wichtige Rückmeldungen aus dem Pastoralgespräch. Pfarreien und Gemeinden sind die wichtigsten Lebensräume unseres Bistums in der Diaspora. Durch das Dekret vom 15. Dezember 2004 hat unser Erzbischof die territoriale Gliederung des Erzbistums neu organisiert und die Errichtung von 83 Pfarreien verfügt. Damit wird eine stabile Struktur geschaffen, die den personellen und finanziellen Möglichkeiten entspricht. Zugleich bleibt die Aufgabe, dass es in den territorial neu umschriebenen Pfarreien Gemeinden gibt, die sich an primären Lebenszusammenhängen orientieren. Pfarreien sollen alles tun, damit Kirchen, in denen gebetet wird, erhalten bleiben.

Zu den deutschsprachigen Pfarreien kommen die fremdsprachigen Missionen. Sie sind von ihrer Zahl, Altersstruktur und Lebendigkeit her bedeutsam für die Seelsorge in unserem Erzbistum.

    1. In den Pfarreien Gemeinden stärken und Orte christlicher Existenz schaffen

Zukünftig gibt es in machen Pfarreien mehrere Gemeinden. Das Leben in diesen Gemeinden soll gestärkt, ihre Identität gefördert werden.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • die pastorale Verantwortung vor Ort gefördert wird. Dies gilt genauso für die fremdsprachigen Missionen.
  • für gemeindliche Gruppen und Kreise eine haupt- oder ehrenamtliche Ansprechperson benannt wird.
  • das Verhältnis der Pfarrei zu ihren Gemeinden subsidiär gestaltet wird.
  • Hauptamtliche die Bildung von Gruppen und Kreisen fördern, die sich selbstständig treffen, um das Wort Gottes und das Leben zu teilen.
  • zwischen Pfarrei und fremdsprachigen Missionen die Zusammenarbeit intensiviert wird.
    1. Sich zum Gottesdienst versammeln

Zum Christsein gehört die gottesdienstliche Versammlung. Deren Hochform ist die Feier der Eucharistie. Sie soll an keinem Sonntag fehlen. Ohne Notwendigkeit wird sie nicht durch einen Wortgottesdienst ersetzt. In jeder Kirche soll täglich zum Gebet eingeladen werden.

 

 

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • die vielfältigen Gebetsformen der Kirche (z.B. Stundengebet, Rosenkranz, eucharistische Anbetung) praktiziert werden.
  • seitens des Erzbistums Personen für Wortgottesdienste ausgebildet werden.
  • eine Kultur gottesdienstlichen Feierns gefördert wird und der Kirchenraum einladend gestaltet wird.

4.4 Ökumene fördern und leben

Papst Benedikt hat das Wirken für die Einheit der Christen als besonders dringlich hervorgehoben. Wir greifen dieses Anliegen auf.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • sich das Erzbistum und seine Gemeinden und Einrichtungen um eine gute Zusammenarbeit und einen lebendigen Austausch mit den ökumenischen Nachbarn bemühen.
  • dazu insbesondere die jährliche Gebetswoche für die Einheit der Christen, die ökumenische Bibelwoche, Gottesdienste und Gesprächskreise genutzt werden.
  • wir mit christlichen Gemeinden bei pastoralen Aufgaben und Projekten nach Wegen der Zusammenarbeit suchen.
  • durch Fortbildung von Hauptamtlichen konfessionelle Identität und ökumenische Zusammenarbeit gefördert wird.
  • durch aktuelle Bildungsangebote für Ehrenamtlichen die Ökumene vor Ort gestärkt wird.

4.5 Andere Religionen wahrnehmen

In manchen Gebieten unseres Erzbistums leben Mitglieder christlicher und nichtchristlicher Religionen auf engem Raum zusammen. Wir wollen das stärker berücksichtigen.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • sich das Erzbistum und seine Pfarreien und Einrichtungen um Wissen über und Verständnis für andere Religionen bemühen.
  • der Kontakt zu Juden gesucht und gepflegt wird.
  • der Kontakt zu Muslimen im Sinne guter Nachbarschaft aufgebaut wird.

 

  1. Unsere Kirche im Norden braucht viele Handelnde.

5. 1 Das Pastoralgespräch fördert einen Schatz zu Tage : Viele sind bereit, sich als Ehrenamtliche zur Verfügung zu stellen, wollen für die Mitarbeit angesprochen werden und ihre Kompetenzen einbringen, wollen zugleich weiter qualifiziert werden und Verantwortung übernehmen. Und sie werden gebraucht! Die Pastoral muss zukünftig mehr von ehrenamtlichen Personen mitgetragen und mitverantwortet werden. Die Arbeit von Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird geschätzt. Zugleich wünschen sich die Gläubigen von ihnen, dass sie insbesondere im Bereich der Leitung ihre Kompetenzen erweitern.

Das Zu- und Miteinander von Priestern und Laien verstehen wir nicht nur funktional von den zu erledigenden Aufgaben her, sondern sakramental, von seiner geistlichen Qualität. Priesterlicher Dienst ist ja durch die Weihe ermöglichte und durch sie getragene Darstellung und Vergegenwärtigung (repräsentatio) Christi als des Herrn und des Hauptes der Kirche. Er erinnert uns an die bleibende Herkunft der Kirche von ihrem Herrn. Ordensleute bezeugen, dass wir unterwegs sind zu einem Ziel. Diakone repräsentieren, dass bei Gott niemand übersehen wird. Frauen und Männer in kirchlichen Diensten leben und arbeiten in dem Bewusstsein, dass die Berufung des Menschen zur Gemeinschaft mit Gott sein Heil ausmacht.

    1. Veränderungsprozesse durch Priester, Diakone und Laien in der Pastoral initiieren und begleiten

Veränderte Rahmenbedingungen machen veränderte Formen und Arbeitsweisen in der pastoralen Arbeit nötig. Dies setzt die Offenheit und Bereitschaft voraus, Bisheriges in Frage zu stellen und sich auf Neues einzulassen. Priestern, Diakonen und Laien im pastoralen Dienst kommt hier eine Schlüsselfunktion zu.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • Priester, Diakone und Laien vom Erzbischof, den Mitgliedern des Geistlichen Rates und den Dechanten ermutigt werden, Veränderungen einzuleiten und neue Schritte auszuprobieren.
  • seitens des Erzbistums dafür begleitende Hilfen angeboten werden.
  • geistliche Bildung und pastorale Fortbildung für alle kirchlichen Dienste verstärkt werden.
  • im pastoralen Dienst für Priester, Diakone und Laien vermehrt und gezielt Erkenntnisse der Organisationsentwicklung, des Managements und der Beratung vom Erzbistum genutzt und angeboten werden.
  • mittelfristig ein Fortbildungsprogramm für alle beruflichen und ehrenamtlichen Dienste im Erzbistum entwickelt wird.

5.3 Rollen und Aufgaben der pastoralen Dienste klären

Der Pfarrer nimmt unter der Autorität des Bischofs die Gemeindeleitung in einem umfassenden Sinn wahr. Bei der Seelsorge im Sinne des Lehrens, Heiligens und Leitens wird er unterstützt und ergänzt durch andere Priester, Diakone und Laien.

Auf dieser Grundlage sind unter den veränderten Rahmenbedingungen die Aufgaben und Rollen für die pastoralen Dienste zu profilieren.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • Priester, Diakone und Laien im pastoralen Dienst mehr als bisher gemeindliche Prozesse entwickeln, begleiten und moderieren.
  • Priester, Diakone und Laien in der Wahrnehmung ihrer Leitung bzw. Mitwirkung an der Leitung auf Beteiligung, Mitsprache, Delegation und Transparenz achten.
  • Kooperation und gemeinsame Arbeit in einem Team von Haupt- und Ehrenamtlichen selbstverständlich wird.
  • ehrenamtlich tätige Gläubige zukünftig mehr und neue Aufgaben wahrnehmen, die eine Mitwirkung am Dienst der Leitung betreffen.
  • dafür die Entscheidungskompetenzen und Befugnisse für die Praxis geklärt werden.
    1. Priorität bei der Begleitung und Förderung ehrenamtlich tätiger Personen

Durch Taufe und Firmung besitzen alle Christen eine gemeinsame Würde und sind von Jesus Christus selbst zum Aufbau der Kirche berufen. Die Gewinnung, Begleitung und Förderung ehrenamtlich tätiger Personen ist unverzichtbare Aufgabe für alle kirchlichen Dienste im Erzbistum Hamburg. Alle sind aufgefordert, eine Kultur ehrenamtlichen Engagements zu fördern.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • vom Erzbistum verstärkt Fortbildungen für ehrenamtlich Tätige konzipiert und möglichst ortsnah angeboten werden
  • ehrenamtlich Tätige, wo immer es möglich ist, an Fortbildungen für berufliche Dienste teilnehmen können.
  • Auslagen erstattet werden.
    • in einer Rahmenordnung des Erzbistums Standards des ehrenamtlichen Engagements festgelegt werden (Fortbildungsinhalte; Kostenerstattungen; Versicherungsschutz)
    • der Zugang zu Informationen über ehrenamtliches Engagement optimiert wird (Homepage, Kirchenzeitung, newsletter)
    • innovative Modelle und Projekte im ehrenamtlichen Engagement initiiert und gefördert werden.

 

6. Unsere Kirche im Norden pflegt eine offene und faire Kommunikation

    1. Das Pastoralgespräch hat in seinem Verlauf gezeigt: Kommunikation, die von Wertschätzung, Offenheit, Transparenz und Ringen um Inhalte geprägt ist, verbindet Jung und Alt, West und Ost, Frauen und Männer, Haupt- und Ehrenamtliche, setzt Kräfte frei, weckt Freude am Engagement. Das spornt an, den Austausch zwischen Bistumsleitung und -verwaltung, Gemeinden, Einrichtungen und Regionen zu verbessern.
    2. Informationsaustausch verbessern und Beteiligung sichern

Informiert sein ist Voraussetzung für eine Kommunikation, die auf Augenhöhe stattfindet und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Klare Regeln und regelmäßiger Austausch fördern dies.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • die Ortsgemeinden und fremdsprachigen Missionen sich um den Blick auf das ganze Bistum als Ortskirche, und die Bistumsleitung und Bistumsverwaltung sich um Achtung der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten bemühen.
  • zwischen Caritas und Pastoral die Kommunikation und das Wissen voneinander verbessert werden, um die gegenseitige Wertschätzung zu fördern. Wo zwischen Einrichtungen der Caritas und der Pastoral noch kein regulärer Austausch stattfindet, wird er vereinbart. Es ist Aufgabe der Landescaritasdirektoren und der Abteilung Pastorale Dienststelle, dies zu initiieren.
  • der Informationsfluss über neue Wege in der Pastoral gefördert wird, damit Ideen an verschiedenen Orten im Erzbistum aufgegriffen werden. Über den Newsletter der Pastoralen Dienststelle können die Gemeinden und alle Interessierten über neue Projekte und die Ansprechpartner und –partnerinnen dazu informiert werden.

 

    1. Zuständigkeiten und Rollen klären

Unrealistische Ziele und Erwartungen führen zu Frustration. Ungeklärte Arbeitsweisen und Regeln verlängern Entscheidungsprozesse und ermüden. Wenn dagegen klar ist, wer welche Zuständigkeiten hat, welche Regeln gelten und welche Ziele erreicht werden sollen, wird dies zu besserem und effektiverem Handeln führen.

 

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • auf allen Ebenen die Leitung verantwortlich wahrgenommen und akzeptiert wird, um Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, Frustrationen zu vermeiden und Motivationen zu stärken. Allen Leitungskräften werden Fortbildungen in Fragen der Kommunikation und Leitung angeboten.
  • auf allen Ebenen klare und verbindliche Regeln für den Informationsfluss, für Beratungs- und Entscheidungswege entwickelt werden. Dabei muss immer deutlich sein, wer zuständig ist, wer welche Entscheidungsbefugnis hat, wer beratende Funktion ohne Entscheidungskompetenz hat und wie verbindlich getroffene Zusagen und Vereinbarungen sind. Die Einhaltung dieser Vereinbarungen und Zusagen muss überprüfbar sein. Wo es solche Regeln schon gibt, sollen sie allen Beteiligten bekannt sein. Auch die Gremienarbeit im Erzbistum soll unter dieser Rücksicht verbessert werden.
    1. Konflikte fair austragen

Bei einer lebendigen Kommunikation werden verschiedene Meinungen aufeinander stoßen. Fair ausgetragene Konflikte helfen dabei, tragfähige Entscheidungen zu treffen.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • auf dem Weg zu Entscheidungen Kritik als Ringen um die beste Lösung verstanden wird.
  • niemand Angst haben soll, konstruktive Kritik zu äußern.
  • der Erzbischof bei Konfliktfällen auf allen Ebenen Personen benennt, die für Konfliktlösung und Konfliktschlichtung zuständig sind.

 

7. Unsere Kirche ist Salz im Norden.

7.1 Unter der Überschrift: "Wir wollen uns einmischen" kommt der Optimismus des Pastoralgesprächs erneut zum Tragen. Wir haben einen Auftrag für das Gemeinwohl vor Ort, in den Regionen und für die Welt: Salz der Erde zu sein!

7.2 stärker in die Öffentlichkeit gehen und Position beziehen

So geben wir vielen Menschen neu die Chance, die Kirche und ihre Botschaft vom Reich Gottes kennen zu lernen und zu erfahren, dass diese Botschaft für die heutige Zeit und für ihr eigenes Leben bedeutsam ist.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • Anliegen und Aktivitäten verstärkt in die Öffentlichkeit und in die Medien gebracht werden.
  • auf allen Ebenen im Erzbistum bei öffentlich diskutierten Themen überlegt wird, ob und wie wir uns einbringen können.
  • alle Formen genutzt werden, um in die Öffentlichkeit zu gehen und Position zu beziehen. Das reicht von der Pressekonferenz bis hin zu Leserbriefen und der Teilnahme an lokalen Unterschriftenaktionen.
  • Einrichtungen und Arbeitsfelder gestärkt werden, die in den öffentlichen Raum hineinwirken.
  • Gemeinden und Einrichtungen durch Fortbildungen und Informationsmaterial Unterstützung in ihrer Öffentlichkeitsarbeit erhalten. Dafür werden Ansprechpartner im Erzbistum benannt.
  • die Stabsstelle Medien sich mit den Personen in Pfarreien, Verbänden und Einrichtungen vernetzt, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind.

7.3 Engagement in Gesellschaft und Politik fördern

"Wir wollen uns einmischen!" – Wir sind davon überzeugt, dass die Kirche wichtige Impulse in Politik und Gesellschaft einbringen kann.

Dies soll dadurch geschehen, dass...

  • wir überprüfen, ob wir in Gremien und Initiativen vertreten und beteiligt sind.
  • wir motivieren katholische Christinnen und Christen politische Ämter wahrzunehmen oder in öffentlichen Gremien zu arbeiten und unterstützen diese Personen tatkräftig.
  • mit den politischen und behördlichen Einrichtungen vor Ort Kontakt gesucht und gepflegt wird.
  • Stadtteilinitiativen unterstützt werden und mit engagementfördernden Einrichtungen (z.B. Jugendeinrichtungen oder Seniorenbüros) kooperiert wird.
  • wir Gerechtigkeit und Frieden fördern durch weltweite Partnerschaft und durch die weltkirchlichen Werke ( z. B. Adveniat, Misereor).

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Fotos: Neue Kirchenzeitung
(Adloff, Sendker, Hüser)